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Auch in diesen schweren Zeiten wollen BrettspielerInnen nicht auf ihr Hobby verzichten. Manchmal ist man aber durch Krankheit, große Entfernungen oder Betreuung von Familienangehörigen an Orte gebunden.

Hier schafft das Internet Abhilfe, gibt es doch etliche Programme mit denen man auch online wunderbar brettern kann. Einige sind kostenlos und wollen nur eine Einmalanmeldung, andere Applikationen machen den Griff in den Geldbeutel unabdingbar, sind dafür aber wahre Komfortmonster.

Nachfolgend stellen wir hier euch fünf Alternativen zum analogen Brettspiel vor. Alle vorgestellten Programme benötigen logischerweise einen Internetzugang und idealerweise ein Headset.

Tabletop Simulator (Steam)

Wer hochaktuelle Brettspiele auch online spielen will, kommt am Tabletop Simulator von Berserk Games nicht vorbei. Seit knapp 7 Jahren gibt es nun schon dieses Programm, welches sich von einem häßlichen Entlein mit wenig Komfortfunktionen und katastrophaler Bedienung zu einem wunderschönen Schwan gemausert hat, der selbst für Hardcorebrettspieler keine Wünsche offenlässt.

Bei Berserk Games setzte man von Anfang an auf die Möglichkeit, mit einem Editor selber Brettspiele umzusetzen und dann im sogenannten „Workshop“ anderen Benutzern kostenfrei zur Verfügung zu stellen. In den weiteren Jahren wurde dann mit LUA eine Scriptsprache integriert, die es ermöglichte etliche Komfortfunktionen wie diverse Startaufstellungen, automatisches Punktetracking, Soundeffekte bei bestimmten Aktionen und vieles mehr mit in seine Werke einzubinden. Die Einbindung der Spieler erwies sich als der richtige Schritt – mittlerweile befinden sich im Workshop unglaubliche 13.880 Spiele! Nicht nur Hobbyentwickler laden hier ihre Werke hoch, auch renommierte Entwickler testen mittlerweile ihre Prototypen dort.

Die Bedienung ist am Anfang etwas ungewohnt, da man sich hier mit Maus und Tastatur frei im Raum bewegen kann. Man sollte auf alle Fälle das Tutorial durchgehen, um sich im Programm zurechtzufinden. Nach 2 bis 3 Stunden geht aber das meiste gut von der Hand. Dafür sorgen auch etliche Komfortfunktionen. wie einstellbare Kameraperspektiven, eine Bild-in-Bild-Funktion, automatische Zugreihenfolge und vieles mehr. Durch die Implementierung von Youtube kann man sich dort auch Spieleerklärungen anschauen – sehr hilfreich, wenn niemand die Regeln kann.

Man könnte sich jetzt noch stundenlang über den Tabletop Simulator auslassen, das würde hier jetzt aber den Rahmen sprengen. Wer gerne neues Zeug ausprobieren will und kein Problem damit hat, sich ein wenig einzuarbeiten findet hier das ideale Programm für einen schmalen Kurs.

Tabletopia (Steam/Browser)

Hier haben wir den kleinen Bruder vom Tabletop Simulator. Gestartet als Kickstarterprojekt bedient sich Tabletopia eines Abomodells. Gewisse Spiele kann man online gratis spielen – entscheidet man sich hingegen für brandaktuelle Spiele braucht man in der Regel einen Premiumaccount, der mit ca. 10€ im Monat zu Buche schlägt. Dies muß allerdings nur einer zahlen, alle Nicht-Premium-Mitspieler können dann in der Lobby des Zahlenden kostenlos mitspielen.

Von der Bedienung unterscheiden sich beide Programme nicht wesentlich, wobei mir die aufgeräumte Spielfläche bei Tabletopia persönlich besser gefällt. Hier ist es auch offensichtlicher, wer gerade am Zug ist. Zudem muß man nicht ganz so wild mit der Kamera hin- und herfahren, da diese sich in der Regel am unteren Rand des Spielfeldes befindet und man so alles im Blick hat.

Die Qualität der Grafiken und Objekte ist hier wirklich herausragend, bei langsameren Rechnern kann es aber schonmal zu Rucklern kommen. Auch die Mitspielersuche gestaltet sich bei Tabletopia unkompliziert. Im Reiter „Find&Play“ werden alle laufenden Partien sowie Lobbys gezeigt, die noch auf Spieler warten – ein Klick und man ist dabei. Einfacher geht es nicht.

Zudem wartet Tabletopia mit einer Vielzahl neuer Kickstarter auf, die erst in einigen Monaten in den Handel kommen. Wer sich unsicher ist, ober er sein schwer verdientes Geld in ein Spiel buttert, was ihm vielleicht nicht zusagt kann und darf hier gerne probespielen.

Mal abgesehen von den technischen Macken und dem Premiummodell findet man auch bei Tabletopia eine Vielzahl an guten Brettspielen und etliche Neuheiten. Ein Vorteil ist auch, das man sich nicht den Client runterladen muß – man kann auch bequem im Browser spielen, muß dann aber Einbußen in der Performance hinnehmen. Eine gute Alternative zum Tabletop Simulator ist Tabletopia allemal.

  • Tabletopia
  • Preis : eigentlich kostenlos, Abomodell startet ab $2,49
  • erhältlich über Steam oder direkt über die Homepage

VASSAL (Client)

Bei der Nennung von Vassal geht vor allen Dingen Wargamern das Herz auf. Eigentlich suchte Rodney Kinney nur Leute, mit denen er Advanced Squad Leader übers Internet oder über PbeM (PlaybyMail)spielen konnte. Dazu programmierte er über Java ein Programm, mit dem das möglich war.

Vassal ist in erster Linie erstmal nur ein Client, der über keine Spiele verfügt. Diese (sogenannten Module) müssen von der Homepage runtergeladen und dann ins Programm eingebunden werden.

Das Programm kommt grafisch sehr spartanisch her, läuft dadurch aber auch auf langsameren Rechnern einwandfrei.

Aktuell befinden sich in der Datenbank über 2100 Spiele – viele davon sind reine Wargames, aber es finden sich dort auch Perlen wie Gloomhaven, Container oder El Grande wieder.

„Zweckmäßig“ ist das, was einem als erstes zu VASSAL einfällt, wenn man es startet. Auch hier bedarf es einer gewissen Einarbeitungsphase – um den Einstieg zu erleichtern gibt es allerdings auf Youtube dutzende Erklärvideos. Ein Blick ist Vassal auf jeden Fall wert.

  • Vassal Engine
  • kostenlos
  • Client direkt über die Homepage, Module müssen einzeln runtergeladen werden

boardgamearena

Die Board Game Arena existiert schon etliche Jahre und hat bei Brettspielern durch ihr „Karmasystem“ einen guten Ruf erworben. Dieses bewertet Spieler nach Spielabbrüchen oder Verhalten, das sich gegen die Benimmregeln wendet.

Regelmäßig werden auch Turniere veranstaltet, es gibt Ranglisten für die verschiedenen Spiele, ebenso kriegt man für beendete Spiele und je nach Platzierung eine gewisse Punktzahl gutgeschrieben, die dann im Spielerprofil eingesehen werden können. Ein Fest für die Statistiker unter euch!

Toll bei Boardgamearena sind die vielen Hilfen, die einen in den Spielen zur Verfügung stehen. Sobald man am Zug ist, sieht man am oberen Rand durch eine Texteinblendung direkt was zu machen ist. Sollte man dennoch nicht weiter wissen, kann man sich durch die Einbindung des Chats Hilfe bei den Mitspielern suchen.

Die Spieleauswahl ist klein aber fein und mit jedem Monat gesellen sich neue Sachen hinzu. Neben vielen Familienspielen finden sich aber auch solche Brecher wie Terra Mystica, Madeira oder Through the Ages im Portfolio. Boardgamearena ist durch sein Reputationssystem, sein aufgeräumtes Design und der kostenlosen Nutzung durchaus ein Blick wert!

  • Boardgamearena
  • Preis: kostenlos
  • direkt über die Homepage

Brettspielwelt

Auch die Brettspielwelt hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Spieler schnell und unkompliziert zusammenzubringen. Auch hier setzt man auf den Webbrowser. Eine Anmeldung ist vonnöten um das Portal zu nutzen

Hervorzuheben ist die tolle Präsentation: Wie oben auf dem Bild zu sehen eine aktuelle Partie „Die Crew“, die mit etlichen Soundeffekten daherkommt.

Als nettes Gimmick bietet die Brettspielwelt ihren Usern Erfolge, die man erringen kann. So bietet man den Spielern zusätzlich zu den Spielen noch „Mehrwert“!

Die Spieleauswahl ist bei der Brettspielwelt von allen getesten Angeboten am bescheidesten – wer allerdings hauptsächlich gegen deutsche Mitspieler antreteten will, wird sich hier wohlfühlen.

  • Brettspielwelt
  • Preis: kostenlos
  • Zugang direkt über die Homepage (es muß ein Account angelegt werden um mitzuspielen).

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