Landesberger Brettspielclub

Pegasus Spiele Tage 29.11.2025

The same procedure as last year, Miss Sophie? The same procedure as every year , James…

Wie jede liebgewonnene Tradition verzichtet man darauf sehr ungerne. Darum sehen wir jedes Jahr mit Freude den Pegasus-Spiele-Tagen entgegen. Der große Verlag schnürt immer ein ansehnliches Paket mit topaktuellen Neuheiten – vom kleinen Kartenspiel bis hin zum Kennerspielkracher ist immer eine große Range an Spielen abgedeckt.

Dieses Jahr durften wir uns auf Bohemians, Dorfromantik Leichtes Gepäck, Ghostbumpers, Lumen und 2Win freuen.

Bibi und ich haben im Vorfeld schonmal einige Sachen ausprobiert. Positiv hängen geblieben ist 2Win, ein nettes Kartenablagespiel, wo derjenige gewinnt, der als letztes noch regelkonform Karten spielen kann. Schon zu zweit war gleich gute Stimmung am Tisch. Mit mehr Spielenden gewinnt das Spiel deutlich mehr an Tempo und die Schadenfreude dürfte überwiegen, wenn die ersten aus der laufenden Runde gekegelt werden.

Gemischte Gefühle hinterließ bei den Testspielern Bohemians, welches mit einem tollen Cover daherkommt und auch die Karten sind in Ihrem Aquarellstil so liebevoll gezeichnet, wie ich es selten in einem Titel dieses Jahrganges gesehen haben. Das kann aber leider nicht über einige Schwächen hinwegtäuschen. Etliche Kartentexte sind anscheinend falsch übersetzt worden oder von Ihrer Symbolik unklar – ärgerlich. Wir haben hier einen Deckbuilder mit Rennaspekt – wer als erstes 5 Siegpunktkarten ergattert, gewinnt das Spiel. Wie bei jedem guten Spiel dieser Art kaufen wir neue Karten um unser Deck zu verbessern. Man kann sich auch sogenannte Musen holen, um vorhandene Kartenslots zu verbessern. Und da war bei unserer Partie auch schon das nächste Problem aufgetreten. Martina hatte sich keine der sogenannten Aktivitätskarten geholt, sondern nur Musen und hat haushoch gewonnen. Das war extrem merkwürdig, das man das Spiel dann so aushebeln kann. Vielleicht einer der schwächsten Titel des gesamten Pakets.

Wesentlich besser kam wohl Ghostbumpers an (ich habe es selber nicht gespielt). Hinter dem witzigen Namen verbirgt sich ein Stichspiel mit zwei neuen Kniffen. Wir wollen uns nicht so früh erschrecken, damit das Spiel länger dauert und man darf auch mehrere Karten gleicher Zahl spielen (so sind z.b. 3 Siebenerkarten insgesamt 3,7 wert – klingt komisch, ist aber so). Der Nebentisch hat das mit sechs Leuten gespielt und ich hatte das Gefühl ,die hatten alle Spaß. Die Illustrationen von Annika Heller sind passend und witzig, denn immerhin wollen die Monster aus der Geisterbahn nicht nur dort Leute erschrecken und haben daher den Autoscooter gestürmt…

Nach dieser ganzen Aufregung konnte man sein Gemüt bei einer cozy Partie Dorfromantik Leichtes Gepäck abkühlen. Wie auch im großen Bruder Dorfromatik puzzeln wir hier unsere Landschaft hübsch zusammen und versuchen in einer Runde kooperativ möglichst viele Auftragsplättchen zu erfüllen. Ganz so aufgebläht wie das Original kommt Leichtes Gepäck nicht daher, aber so nach und nach kommen wieder neue Wertungsplättchen hinzu, sofern wir auf einer Punkteleiste einen gewissen Wert erreicht haben. Wir spielen also eine kleine Kampagne; eine nette Überraschung in Form eines Umschlages mit noch mehr Material wartet zu dem in der Verpackung auf uns, sofern wir die 180 Punkte geknackt haben. Für faire 20 Euro gibt es also ein paar Stunden Spielspaß – ich persönlich hatte schon nach der zweiten Partie keine Lust mehr, aber für Wenigspieler oder Familien mit Kindern ist das durchaus einen Blick wert.

Lumen, ein weiteres Stichspiel, habe ich bereits auf Boardgamearena gespielt und die Autoren haben sich mal frech an Hanabi bedient. Wir sehen die Karten unserer Mitspielenden aber nicht unsere eigenen. Wir müssen dann aufgrund der Informationen die uns zur Verfügung stehen, ansagen, wieviel Stiche wir machen. Punkte gibt es, wenn wir richtig tippen, Minuspunkte wenn wir mit unserem Tipp danebenliegen. Wizard und Skull King lassen grüßen. Pegasus kann von Glück reden, nicht so einen Shitstorm wie damals der Boardgamedigger mit seinem Unfinished Business zu erleben. Die Karten sehen ganz nice aus, haben aber so ein komisches längliches Format, das die sleevegeilen Leutchen Probleme haben könnten, passende Hüllen dafür zu finden. Es gibt noch ein Feature, das das Spiel vor einem Plagiatsvorwurf rettet, denn man darf seine Stiche in Form von gelben Edelsteinen anzeigen. Wenn man sich allerdings nicht sicher ist, ob man nicht noch doch einen Stich mehr bekommt, darf man als „Sicherheitsanker“ noch einen blauen Diamanten dazulegen. Braucht die Welt noch ein Stichspiel mehr? Entscheidet selbst…

Immerhin haben an diesem bedeckten Samstag nachmittag fünf neue Spielebegeisterte den Weg in die Mühle gefunden und ich sah am Ende des Tages in durchweg glückliche und zufriedene Gesichter, die auch hoffentlich an den normalen Spieltagen freitags wieder kommen wollen.

Insofern war das nochmal ein schöner Abschluß für das Jahr 2025, es sei denn unsere Weihnachtsfeier am 19. Dezember eskaliert hart zum Quadrat…